Dietze-Anleger

Der Anleger nach Dietze ist ein bei allen Elektrizitätsbetrieben eingeführtes, unentbehrliches Werkzeug zur raschen Ausführung von Strommessungen in Wechselstromanlagen. Er ist ein nach seinem Erfinder, Ingenieur Dietze benannter kleiner Stromwandler in Zangenform, mit welchem die Stromleitung umfaßt wird, ohne daß es nötig ist, sie zu unterbrechen. Die Ablesung erfolgt mit einem Amperemeter, das mit dem Anleger zusammen geeicht sein muß. Die Verwendung anderer Amperemeter, sowie der Anschluß eines Wattmeters, Phasenmessers oder dergleichen ist nicht möglich, da der Anleger, um nicht zu schwer zu werden, naturgemäß nur einen verhältnismäßig kleinen Eisenkern haben darf und infolgedessen auch nur eine geringe Leistung abzugeben vermag. Auf ein bestimmtes Übersetzungsverhältnis ist er nicht abgeglichen. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Auffindung von Leitungsfehlern, wobei statt des Amperemeters auch ein Fernhörer angeschlossen sein kann.

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H&B Anleger nach Dietze für 150/750 A (Stromzange ohne Handgriffe)
 

Der zangenförmige Eisenkern wird durch Zusammendrücken der beiden Handgriffe geöffnet, über den Leitungsstrang bzw. das Kabel gebracht und beim Nachlassen des Druckes durch eine kräftige Feder wieder geschlossen. Der Leitungsstrang bildet alsdann die Primärwicklung des Stromwandlers.

Versuche haben ergeben, daß bei eisenbewehrten Kabeln der Eisenmantel keine nennenswerten Meßfehler verursacht. Selbstverständlich können Messungen nur an einpoligen Kabeln gemacht werden. Bei Hochspannungsanlagen legt man den Anleger z. B. auch vorzugsweise um Röhrensicherungen oder Trennschalter.

Der Anleger wird in vier Ausführungen geliefert:
Bei dem kleinen Anleger JDk, welcher nur für Niederspannung bestimmt ist, besteht der Eisenkern aus zwei genau miteinander übereinstimmenden U-förmigen Teilen, und die Sekundärwicklung aus zwei Spulen, die durch ein mitgeliefertes kurzes Kabel hintereinander geschaltet werden. Die eine Hälfte des Eisenkernes mit der darauf sitzenden einen Hälfte der Sekundärwicklung läßt sich aus der Zange bequem herausnehmen und außerhalb der Zange zur Untersuchung von Ankern von Dynamo-Maschinen, Motoren und dergleichen verwenden.

Bei dem mittleren Anleger JDm und bei den beiden großen Anlegern JDg und JDR besteht die Sekundärwicklung nur aus einer Spule. Die Handgriffe sind durch Porzellan-Isolatoren von dem Zangengestell isoliert und tragen je eine metallene Schutzplatte mit kräftiger Erdungsschraube. Diese Porzellan-Isolatoren und die Erdung schützen aber natürlich nur die Handgriffe. Der Eisenkern, das Zangengestell, die Sekundärwicklung und vor allem auch das daran anzuschließende Amperemeter sind bei Verwendung des Anlegers in Hochspannung genau so zu behandeln, als wenn sie selbst Hochspannung führten, Die geringste Entfernung zwischen den der Hochspannung ausgesetzten Teilen und der Erdung beträgt etwa 100 mm. Geprüft wird die Isolation mit 20000 Volt. Die Anleger JDm, JDg und JDR entsprechen also hinsichtlich ihrer Isolationsfestigkeit der Serie II der "Leitsätze für die Konstruktion von Hochspannungs-Apparaten" des V. D. E. und sind in diesem Sinne für Spannungen bis höchstens 6000 Volt verwendbar, bei Anlagen mit hohen Kurzschlußstromstärken nur für entsprechend niedrigere Spannungen. Messungen bei Hochspannung sind ausschließlich mit den Ansteckamperemetern JFktfa auszuführen; die übrigen Amperemeter, sowie der Fernhörer sind nur für Messungen bei Niederspannung oder an Kabeln bestimmt.

Die Ansteck-Amperemeter werden ohne Verwendung von Verbindungsleitungen fest an den mittleren oder größeren Anleger angesteckt, so daß der Anleger mit dem Amperemeier ein handliches Ganzes darstellt.
Die tragbaren Amperemeter haben eine größere Skale als die Ansteck-Amperemeter. Sie sind nur für Niederspannung oder Kabelmessungen zu verwenden.
Die schreibenden Amperemeter dienen zur dauernden Aufzeichnung des in der Leitung fließenden Stromes. Sie sind gleichfalls nur für Niederspannung oder Kabelmessungen verwendbar.
Werden die Anleger mit Fernhörer verwendet, so kann man mit ihnen nur feststellen, ob Strom in einer Leitung ist oder nicht. Immerhin ist das Abhören von Leitungen mit Anleger und Fernhörer oft bequem, besonders wenn es sich um viele Leitungen handelt. Namentlich aber dient der Fernhörer zum Aufsuchen von Fehlerstellen in Kabeln.

 

H&B Katalog 1926 Auszug H&B Katalog 1926 (356k)

 


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