Multavi φ

Die Messung von Strom und Spannung allein genügt nicht zu einem Überblick über die elektrischen Verhältnisse in Einphasen-Wechselstrom- und Drehstromnetzen. Es interessiert hier nicht allein die Größe des Stromes, sondern auch der von den Verbrauchern aufgenommene Wirkstrom und Blindstrom. Diese beiden Messgrößen sind durch die Phasenverschiebung φ zwischen Strom und Spannung festgelegt. Der Leistungsfaktor cos φ muß bei Stromverbrauchern induktiver und kapazitiver Art messtechnisch erfasst werden.
Abb. 1: Prinzip-Schaltung Multavi-φ und Vektordiagramm

Das Multavi φ erfüllt diese messtechnischen Forderungen. Neben der Messung von Strom und Spannung lassen sich auch direkte Messungen von Wirkstrom und Blindstrom in einphasigen Wechselstrom- und in Drehstromnetzen durchführen und damit auf einfache Weise die weiteren wichtigen Größen cos φ, sin φ, Blindleistung, Wirkleistung und Scheinleistung bestimmen.

Auch Gleichspannungen können mit dem Multavi φ gemessen werden.

Das Multavi φ verwendet zur Anzeige ein Drehspulmesswerk mit Messgleichrichter. Das von magnetischen Fremdfeldern unabhängige Kernmagnetsystem ist durch die Spannbandaufhängung weitgehend unempfindlich gegen Stösse und mechanische Erschütterungen. Reibungsfehler treten bei dieser Art der Lagerung nicht auf. Das Messwerk hat eine Nullpunktkorrektionsschraube unterhalb der Skala.

Eine einzige, übersichtliche, nahezu lineare Skalenteilung von etwa 70 mm Länge gilt für alle Meßbereiche und Meßgrößen.

Messerzeiger und Spiegelbogen gestatten genaues und parallaxefreies Ablesen. Die Skalenteilung 0. . . 30 ist um 10% verlängert, um Überwerte noch ablesen zu können, ohne umschalten zu müssen.

Die abgelesenen Skalenwerte sind entweder direkt gültig (lediglich Kommastellung) oder höchstens mit 2 zu multiplizieren oder durch 2 zu dividieren.

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Abb. 2: Multavi-φ; Skalen-Nr. 2818754

Die Prinzipschaltung des Multavi φ zeigt Abb. 1. Bei der Spannungsmessung (Hauptwähler auf V) wird der Kontakt a geschlossen, während die Kontakte b und c geöffnet sind.

Bei der Strommessung (Hauptwähler auf A) ist dagegen der Kontakt b geschlossen, und die Kontakte a und c bleiben geöffnet.

Bei der Blindstrommessung (Hauptwähler auf Ib) werden die Kontakte b und c geschlossen, während der Kontakt a offen bleibt. Dadurch werden der Gleichrichteranordnung nebst dem Messwerk zwei Ströme zugeführt. Der vom Stromwandler W eingespeiste Strom ist Verhältnis- und phasengleich dem Verbraucherstrom, während der über das Potentiometer P zugeführte Strom IV Verhältnis- und phasengleich der Verbraucherspannung U ist (siehe Abb. 1).

Das Messwerk zeigt den Betrag der Vektor-Differenz Id beider Ströme an. Durch ein Potentiometer kann der Betrag des der Spannung verhältnisgleichen Stromes IV geändert werden. Dabei wird der angezeigte Betrag des Differenzvekfors Id verkleinert oder vergrößert und, wie das Vektor-Diagramm zeigt, auch seine Richtung geändert. Der Differenzvektor Id hat sein Minimum = Id min, wenn er senkrecht auf dem Spannungsvektor steht.

Stellt man also mit Hilfe des Potentiometers links am Gehäuse das Minimum des Zeigerausschlages ein, so wird die senkrecht auf dem Spannungsvektor stehende Stromkomponente Id min, d.h. der Blindstrom Ib angezeigt. Ob der Blindstrom induktiv oder kapazitiv ist, wird durch Zuschalten eines eingebauten Kondensators mit Hilfe des kleinen roten Tastschalters an der rechten Seite ermittelt. Wird der Zeigerausschlag bei Blindstrommessung nach Drücken des Tastschalters größer, so ist der Blindstrom induktiv; wird er kleiner, ist der Blindstrom kapazitiv.

Die Wirkstrommessung (Hauptwähler auf Iw) kann erst nach der Minimum-Einstellung, d.h. nach der Blindstrom-Messung erfolgen. Durch diese Stellung des Hauptwählers wird lediglich der Kontakt b geöffnet, so daß nur der durch das Potentiometer fließende Strom angezeigt wird. Das Vektorbild (Abb. 1) lässt erkennen, daß in diesem Fall der Wirkstrom Iw angezeigt wird.

Mit dem Hauptwähler wird die jeweilige Meßgröße gewählt. Angezeigt wird diejenige Meßgröße, auf die der Punkt auf dem Knebelgriff zeigt. In der Stellung V wird die Spannung, in der Stellung A der Strom gemessen.

Bei Messungen in einer Phase wird fernerhin bei der Stellung Ib der Blindstrom, bei Stellung Iw der Wirkstrom gemessen, während die Stellung I bei der Bestimmung des Leistungsfaktors zusätzlich benutzt wird.

Mit dem Hauptwähler ist schnellster Übergang von einer Meßgröße auf die andere während des Betriebes ohne Unterbrechung des Stromkreises und praktisch ohne Veränderung der Belastungsverhältnisse möglich.
Mit den beiden Meßbereichwählem werden lediglich die Strom- bzw. Spannungsmeßbereiche eingestellt. Der Strommeßbereichwähler gilt für sämtliche Stromstellungen des Hauptwählers. Der Strommeßbereich wird mit dem Strom-Meßbereichwähler stets nur in der Stellung A des Hauptwählers so eingestellt, daß ein möglichst großer Zeigerausschlag erfolgt. Bei den nachfolgenden Messungen in den Stellungen des Hauptwählers auf Ib, Iw und I darf die Stellung des Strom-und des Spannungs-Meßbereichwählers nicht mehr geändert werden.

Eine Bedienungsanleitung ist im Online-Shop erhältlich.


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